Hund beruhigen
Jesse Reimann

Jesse Reimann

Gestressten Hund beruhigen: Die 3 besten Tipps & Tricks

Ein gestresster Hund sieht sich hilflos einer für ihn unangenehmen Situation ausgesetzt und verleiht dem auch Ausdruck. Einen solch nervösen und vielleicht auch ängstlichen Hund zu beruhigen, ist nicht immer einfach.

Jeder Hund ist anders und daher hilft jedem Hund etwas anderes. Je besser du deinen Hund kennst und je tiefer eure Verbindung ist, desto besser wirst du ihm dabei helfen können.

Dieser Artikel hilft dir, einen überdrehten Hund zu verstehen und gibt dir Ideen mit, wie du ihn und dich wieder zur Ruhe kommen lässt.

Kurz & Knapp: Wie du deinen Hund beruhigen kannst

Die Gründe für Aufregung sind sehr vielfältig. 

Es ist wichtig zu verstehen, dass anhaltende Aufregung immer Stress für deinen Vierbeiner bedeutet. 

Ob er daher Angst vor Gewitter hat oder von schlechten Erinnerungen heimgesucht wird, es belastet ihn.

Hundefreunde sollten wissen, wie sie mit Situationen umgehen, in denen ihr Vierbeiner schlagartig Stress empfindet. 

Informiere dich daher in der Hundeerziehungs-Bibel, welche Sofortmaßnahmen einem gestressten Hund helfen und was du tun kannst, damit er ruhiger wird. 

Inhaltsverzeichnis

Wie beruhige ich meinen Hund? – Die 3 besten Tipps

Hunde sind angespannt, weil sie sich fürchten oder bedroht fühlen oder weil sie etwas nicht verstehen. Da sie ihre Gefühle nicht mit Worten ausdrücken können, zeigen sie in ihrer Körpersprache Anspannung und Rastlosigkeit.

Diese drei Tipps solltest du ausprobieren:

Tipp 1: Ruhe bewahren und Ruhe erzeugen

Für deinen Hund bist du das Zentrum seines Universums. Wenn du ihm vermittelst, dass er bei dir sicher ist und beschützt wird, kann er durch Abgabe dieser Verantwortung aufatmen.

Wenn du hingegen selber nervös wirst, überträgt sich die Unruhe auch auf ihn. Er versteht dann: „Wenn mein Beschützer das schlimm findet, muss es sehr furchtbar sein“. 

Daher ist in jedem Fall von grundlegender Bedeutung, dass du ausstrahlst, dass alles okay ist. 

Setz dich zu ihm oder lass ihn zu dir kommen. Streichel ihn oder massiere ihn leicht, sodass er den körperlichen Kontakt spürt, wenn er das möchte. Rede leise und in ruhigem, entspannten Tonfall. Zeige keine Hektik oder Sorgen.

Wichtig: 

Biete deine Nähe dem Hund an, aber zwinge ihn nicht dazu. Achte darauf, ob dein Hund diese Nähe möchte und wie er reagiert. Wenn er deine Streicheleinheiten nur stocksteif erduldet, machst du die Situation für ihn unangenehmer. 

Werde nicht laut und strafe ihn nicht. Das verstärkt seine Angst.

Tipp 2: Stressfaktoren beseitigen

Wenn du verstanden hast, was deinen Hund aufregt oder beunruhigt, hilft manchmal schlicht eine Beseitigung der Auslöser.

In Akutsituationen nimm deinen Hund, sofern möglich, sofort aus der Situation heraus. Wechsle wortwörtlich den Raum oder die Straße, weise andere Menschen oder Hundehalter an, sich zu entfernen oder verdecke die Sicht auf Stressauslöser.

Aber auch für dauerhafte Stressfaktoren braucht dein Hund einen Ausweg.

Wenn dein Hund zum Beispiel schreckhaft auf Geräusche reagiert, schaffst du ihm einen Platz in deiner Wohnung, an dem es wirklich still ist. Auf diesen wird er sich zurückziehen, wenn es ihm zu viel wird.

Tipp 3: Angst im Training überwinden

Wird dein Hund unruhig in Situationen, die nicht vermeidbar sind oder deren Vermeidung für dich großen Aufwand bedeutet, hilft ein regelmäßiges und konsequentes Training. 

Gewaltfrei lernt dein Hund, mit der für ihn unangenehmen Situation Frieden zu schließen und über seinen Schatten zu springen.

Dafür musst du verstanden haben, was genau deinen Hund aufregt. Werde dann kreativ und begegne dieser Angst in sehr kleinen Dosen: 

Zeigt dein Hund zum Beispiel in Gegenwart deines Partners Unsicherheit, so bitte um ein getragenes Shirt. Gewöhne so deinen Hund an den Geruch, bis er auch mit dem Menschen selber entspannen kann.

Wie du speziell mit einem Hund aus einer Auslandsadoption trainieren kannst, erklärt dir unser Artikel: „Ängstliche Hunde aus dem Ausland eingewöhnen

Gründe für Beunruhigung & Lösungen 

Es gibt Hunde, die auch neben einer Kanone noch schlafen würden. Andere erschrecken vor dem eigenen Schatten.

Angst oder Unruhe eines Hundes nährt sich meist aus seiner Geschichte. Ein für ihn erschreckendes Erlebnis oder das Gefühl von Unsicherheit oder Schmerz setzt sich schnell fest. 

Körpersprache deuten

Ein gestresster Hund krümmt sich und legt die Ohren leicht nach hinten oder lässt sie hängen. Seine Mimik ist wechselhaft, bei manchen Hunden zucken wie bei Menschen die Augen in alle Richtungen, um alles im Blick zu behalten.

Meist werden sie auch laut: sie winseln, fiepen, bellen oder jaulen. Sie weichen zurück und klemmen die Rute ein.

Viele Hunde wedeln aber auch mit dem Schwanz bei Stress. Das wird von Besitzern oft noch als reines Zeichen von Freude missverstanden, ist aber generell ein Zeichen von erhöhtem Adrenalinspiegel.

Sehr typische Situationen, in denen ein Hund schwer zu beruhigen ist, sind Gewitter und Feuerwerke oder die Erinnerung an traumatische Ereignisse.

Bei Gewitter oder Feuerwerk

Es blitzt und donnert und dein Hund weiß weder warum, noch was genau passiert. Sein Instinkt sieht in Gewitter eine Gefahr und weist ihn an, Deckung zu suchen. Ähnliches bei Feuerwerk.

Für dieses Problem gibt es mehrere Lösungen, die du ausprobieren kannst.

Wenn dein Hund sich in deiner Nähe sehr sicher fühlt und sich dadurch beruhigt, überlege, ob er in deinem Schlafzimmer schlafen kann oder du zu ihm auf die Couch im Wohnzimmer ziehst.

Manchen Hunden hilft eine Art Schutzbunker. Das sind zum Beispiel Räume mit nur kleinen oder sogar keinen Fenstern, in die er sich selbstständig zurückziehen, die er aber auch selbst wieder verlassen kann. Auch unter dem Sofa, einem Schreibtisch oder einer Decke kann er sich von einem Dach geschützt fühlen.

Oft ist das Problem nur das Geräusch des Donners, das in größeren Räumen widerhallt. Dagegen hilft: Musik. Das konstante Geräusch lässt Donner nur als Teil einer Geräuschkulisse erscheinen, selbst wenn er lauter als die eigentliche Musik ist. 

Nach traumatischer Erfahrung

In manchen Dingen sind sich Hund und Herrchen sehr ähnlich. Wenn du einmal auf Glatteis ausgerutscht bist und dir die Hand verstaucht hast, wirst du in Zukunft sehr vorsichtig bei Eiswetter sein.

Ein Hundegehirn kann solche Zusammenhänge nicht begreifen. Für ihn ist sozusagen alles gleichermaßen schuld, wenn ihm etwas Unangenehmes passiert.

Wird er zum Beispiel auf dem Spaziergang von einem anderen Hund angegriffen, merkt er sich, dass er an diesem Ort Schmerzen empfunden hat oder dass andere Hunde ihm weh taten. Da er dies natürlich nicht wiederholen will, versucht er solche Situationen zu vermeiden.

Dieses Verhaltensproblem löst du nur durch behutsames Training, in dem du das Selbstvertrauen deines vierbeinigen Freundes wieder stärkst und ihm Schritt für Schritt hilfst, seine Angst zu überwinden.

Beruhigungspunkte Hund

Beruhigungspunkte beim Hund

Aus der Akupressur, einer Schwester der Akupunktur aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), stammt auch die Pfotenreflexzonenmassage für Hunde. Sie gehört nicht zur evidenzbasierten Medizin und stellt keine medizinische Behandlung dar.

Durch die etwas kräftigere Berührung kann der Hund vom Auslöser seiner Unruhe abgelenkt werden. Zudem hilft es Hunden, die im Erregungszustand Streicheln als unangenehm empfinden. 

Auch ein Ausstreichen der Ohren oder des Rückens kann ihn beruhigen: Das kennst du selbst von einer Rückenmassage, wenn Schmerz oder Anspannung mit sanftem Druck scheinbar von dir genommen wird.

Auf jeden Fall schafft eine solche Massage eine Bindung zwischen dir und deinem Hund. Zudem gibt es dir etwas, worauf du dich konzentrieren kannst, was für deine eigene Ruhe hilfreich sein kann.

Hausmittel für gestresste Hunde

Für fast jeden Hund funktioniert eine Ablenkung durch das Lieblingsleckerli als natürliches Beruhigungsmittel. 

Hier ist aber Vorsicht geboten, dass der Hund es auch als Ablenkung versteht und nicht als Belohnung für das aus dem Stress resultierenden Verhalten. Du möchtest nicht aus einem unruhig bellenden einen fordernd bellenden Hund machen.

Ungewöhnlich, aber für manche Hunde hilfreich sind Einwirkungen auf hormoneller Basis: Liebe mag nicht käuflich sein, Pheromone hingegen schon. Das sind Duft-Lockstoffe, die eine hormonelle Wirkung auf den Hund haben. Auf Halsbänder oder in Zerstäubern nimmt der Hund sie durch die Luft auf.

Am verbreitetsten sind Pheromone, die normalerweise Hundemütter absondern und für ihre Welpen bestimmt sind. 

Für sehr starke Angstzustände kann auch dein Tierarzt ein beruhigendes Mittel verschreiben. Sie wirken sehr gezielt und helfen daher besonders in Situationen, in denen eine Angstsituation unvermeidbar ist, z.B. auf langen Reisen. 

Wichtig: 

Unter keinen Umständen solltest du deinem Hund eigene Medikamente verabreichen. Spreche Medikationen immer mit deinem Tierarzt ab!

Pflanzliche Beruhigungsmittel für deinen Hund

Wie auch bei Menschen können Lavendel, Hopfen und Baldrian auf Hunde beruhigend wirken. Eingenäht in ein Kissen oder ein Spielzeug ist es sofort zur Hand. Ein Vorteil ist, dass der Hund das Kissen auch zu einem Rückzugsort mitnehmen kann. 

Seit neuestem ist zudem CBD-Öl (Cannabidiol-Öl) in Deutschland auf dem Erfolgspfad. Es enthält keine psychoaktiven Substanzen und ist für Hunde als rein pflanzliches Beruhigungsmittel gut verträglich. 

Kaufe es aber im Fachhandel oder bei deinem Tierarzt, um eine ausreichende Qualität zu gewährleisten.

Das Hauptanwendungsgebiet ist die Schmerztherapie und die Behandlung von Epilepsie bei Hunden, es wirkt aber auch beruhigend. Vor einer ersten Gabe solltest du mit deinem Tierarzt sprechen, ob ein Einsatz für deinen Hund geeignet ist.

Wichtig!

Oft werden homöopathische Mittel oder Bachblüten zur Beruhigung für Haustiere empfohlen und verkauft, gern zu hohen Preisen. Es gibt keine Studie, die eine Wirkung von Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus belegt. Begegne diesen Empfehlungen daher mit Vorsicht und besprich sie mit deinem Tierarzt.

Erklär-Video

Fazit

Mit einem unruhigen Hund leidet auch sein Besitzer. Manche Aufreger lassen sich nicht vermeiden, aber viele Situationen sind beherrschbar und müssen den Hund nicht belasten.

Wie du für ein entspanntes Hundeleben Sorge trägst, erklärt dir die Hundeerziehungs-Bibel. Dort findest du wertvolle Tipps und Anleitungen für eine gesunde und glückliche Hund-Mensch-Beziehung.  

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