Hund will nicht Gassi gehen
Jesse Reimann

Jesse Reimann

Hund will nicht Gassi gehen? 4 Ursachen und 3 Lösungen einfach erklärt

Dein Hund will nicht Gassi gehen? Leider kenne ich dieses Problem nur zu gut.

Wenn es draußen regnerisch oder sehr kalt ist, ist es nur sehr schwer, meine Mopsdame zum Gassi gehen zu motivieren. Manchmal ist es sogar so schlimm, dass sie sich weigert, weiterzulaufen und mit einem Affenzahn wieder in Richtung Zuhause zieht. Das hat auf Dauer weder mir noch ihr Spaß gemacht.

Doch es gibt viele verschiedene Ursachen, warum dein Hund nicht Gassi gehen will. Also habe ich mich auf Ursachen- und Lösungssuche begeben. In diesem Artikel möchte ich meine Erfahrungen mit dir teilen.

Hund will nicht Gassi gehen – Woran kann das liegen?

Wenn dein Hund nicht mehr raus will, ist das ein Alarmsignal, dass irgendetwas nicht stimmt. Zwang und Strafen für dieses Verhalten sind nicht die richtigen Ansätze und können das Verhalten teilweise noch verstärken.

Wichtig ist, dass du dich – sollten Verhaltensänderungen auftreten – so schnell wie möglich auf Ursachensuche begibst. Es ist immer einfacher ein neu auftretendes Verhalten zu korrigieren als an lange eingewöhnten Mustern etwas zu verändern.

Was sind also die häufigsten Ursachen dafür, dass ein Vierbeiner nicht mehr raus will?

Hund will nicht Gassi gehen

Stress

Stress ist einer der häufigsten Auslöser für Verhaltensstörungen. Dabei kann sowohl Stress zu Hause, etwa durch einen zweiten Hund oder durch viel Lärm und Unruhe im Haus der Grund sein als auch Stress auf Spaziergängen. Letzteres kommt vor allem bei ängstlichen Hunden vor, die vor Umweltgeräuschen, Autos oder fremden Hunden und Menschen Panik haben.

Eine Extremsituation, die viele Hunde verängstigt ist beispielsweise das Anzünden von Feuerwerken. Der Vierbeiner kann nicht einschätzen, was diesen plötzlichen Lärm auslöst und bekommt Panik. Vor dem nächsten Spazierengehen bringt allein der Anblick der Leine dieses Gefühl wieder zurück, der Hund hat Stress. Um diesem aus dem Weg zu gehen, bocken die Hunde und weigern sich raus zu gehen. Das eigene Zuhause scheint deinem Liebling in diesem Moment der sicherste Ort zu sein.

Bei meinem alten Hund war es ebenfalls eine schlechte Erfahrung beim Spazierengehen, die in ihm das Gefühl auslöste lieber nicht mehr von zu Hause wegzugehen. Er hatte sich ein paar Tage bevor das Verhalten losging beim Spazierengehen sehr ausgetobt und hatte richtig Spaß beim Herumrennen. Auf dem Rückweg verließen ihn die Kräfte und da er zu groß und schwer zum Tragen war, konnte ich ihm nicht helfen, außer viele Pausen zu machen.

Diese Erfahrung hat sich in sein Gedächtnis eingebrannt und dazu geführt, dass er sehr unsicher wurde, ob er es beim nächsten Mal nach Hause schaffen würde. Die Konsequenz war, dass er eine Zeit lang gar nicht mehr dazu zu bewegen war spazieren zu gehen.

Du fragst dich jetzt bestimmt wie du den Stress von einem grundlos bockigen Verhalten unterscheiden kannst. Stress zeigt sich durch eine allgemeine Unkonzentriertheit des Hundes. Er beachtet deine Kommandos nicht, ist sehr umweltorientiert und hechelt stark. Wie beim Menschen auch schlägt Stress häufig auf den Magen, sodass betroffene Hunde oft ihr Futter liegen lassen.

Langeweile

Langeweile beim Spazierengehen zeigt sich meistens darin, dass dein Hund widerwillig mitkommt und draußen gelangweilt umherläuft. Er ist nicht interessiert, lässt sich bitten und kann sich an dem Ausflug nicht mehr erfreuen. Gibt es nicht genügend Abwechslung auf dem Weg kommen Zwei- und Vierbeiner in einen gewissen monotonen Trott, der einfach abgespult wird. Spaß macht das aber meistens keinen.

Witterung und Tageszeit

Als ich nach Gründen gesucht habe, warum mein Hund nicht mehr raus will, musste ich über diesen Grund zunächst herzhaft lachen, da er voll und ganz auf meinen Hund zutrifft. Schließlich sind Hunde immer noch robuste Tiere, denen weder das Wetter noch die Uhrzeit etwas ausmachen sollten. Bei näherer Beschäftigung mit dem Thema habe ich festgestellt, dass vielen Hunden diese Umweltfaktoren anscheinend die Lust auf Spaziergänge nehmen.

Vor allem Hunde mit wenig Fell haben oft Probleme mit Kälte und Nässe, da sie schnell frieren. Manche Hunde wollen sich einfach nicht die Pfoten nass und dreckig machen. Hunde mit langem Fell hingegen werden im Hochsommer oft träge, weil es ihnen zu warm wird.

Unter Hunden gibt es – wie bei uns Menschen auch – Morgenmuffel, die morgens lieber weiterschlafen als aufzustehen und sich zu bewegen. Andere Hunde werden abends träge und haben einfach keine Lust mehr raus zu gehen.

Und tatsächlich gibt es auch Hunde, die Angst vor der Dunkelheit haben. Das liegt vor allem daran, dass der Hund bei Dunkelheit deutlich weniger sieht als tagsüber. Das kann unheimlich und verunsichernd sein, sodass dein Vierbeiner lieber drinnen im hellen, sicheren Haus bleibt.

Alter Hund will nicht Gassi gehen – Schmerzen als mägliche Ursache

Wenn wir Menschen Schmerzen haben, schonen wir uns. Das ist bei Hunden nicht anders, nur, dass sie sich nicht eindeutig artikulieren können. Bei starken Schmerzen wird dein Vierbeiner humpeln oder winseln, sodass du merkst, dass etwas nicht stimmt. Aber manchmal reicht nur ein falscher Tritt auf einen Stein oder ein leichtes Umknicken, dass Schmerzen verursacht, die man von außen beim Laufen nicht unbedingt sieht, die aber auf Spaziergängen unangenehm sind.

Wenn dein Hund also nicht mehr Gassi gehen will, solltest du abklären, ob er Schmerzen hat. Du selbst kannst beispielsweise die Pfoten abdrücken und die Beine auf Schwellungen oder Verletzungen hin kontrollieren. Findest du nichts, ist der Gang zum Tierarzt ratsam. Vor allem bei älteren Hunden können beispielsweise eine beginnende Arthrose oder andere Gelenkprobleme zu Schmerzen beim Laufen führen.

Die meisten Beschwerden können durch Medikamente oder gezielte Therapie behoben werden, sodass dein Hund wieder Spaß am Gassi gehen findet.

Alter Hund will nicht Gassi gehen

Hund will nicht Gassi gehen – Das kannst du dagegen tun

Wenn ein Hund nicht mehr raus will, kann das zu großen Problemen führen. Regelmäßige Bewegung ist wichtig, damit der Kreislauf, die Muskulatur und der Bewegungsapparat richtig arbeiten und nicht einrosten. Außerdem treffen Hunde zu Hause selten Spielgefährten, sodass ein Spaziergang allein wegen der sozialen Kontakte wichtig ist.

Wie bereits gesagt, ist es wichtig, dass du zunächst einmal die Ursache für das Verhalten deines Lieblings findest. Nur so kannst du dich individuell auf ihn einstellen und das Fehlverhalten korrigieren.

Und wie immer bei der Hundeerziehung gilt: bewahre Ruhe und nimm dir Zeit! Bei den meisten Hunde braucht es viel Geduld die falschen Verhaltensmuster aufzubrechen und neue, erwünschte Muster zu etablieren. Vor allem, wenn Schmerzen oder Panik die Ursache sind, muss eine gezielte Therapie erst einmal wirken – das dauert.

Auch Konsequenz ist sehr wichtig. Nur, wenn du deinem Hund immer klar machst, was erlaubt ist und was nicht, kann er sich daran orientieren. Unentschiedene Hundebesitzer, die einmal ein Fehlverhalten korrigieren und es beim nächsten Mal vergessen, werden von den Vierbeinern schnell ignoriert, weil ihr Verhalten nicht nachvollziehbar ist.

Ganz wichtig: Konsequenz nicht mit Bestrafung gleichsetzen! Viele verwenden die Begriffe synonym, was falsch ist. Gerade bei ängstlichen Hunden wäre eine Bestrafung sehr kontraproduktiv und könnte das falsche Verhalten sogar noch weiter festigen.

Stress vermeiden

Wenn dein Hund beim Spazierengehen Stress hat, solltest du genau überlegen wodurch dieser ausgelöst wurde und solche Situationen (zunächst) meiden. Beginne mit kleinen Runden und lobe deinen Hund, wenn er mitkommt – und sei es nur ein Schritt. Wenn dein Liebling merkt, dass die Stressfaktoren nicht mehr auftreten, kannst du die Spaziergänge immer weiter ausdehnen.

Nun ist es bei einigen Stressfaktoren einfacher als bei anderen sie zu vermeiden. Hunde, die schlechte Erfahrungen mit Feuerwerken gemacht haben, muss man zu Sylvester und Neujahr nicht unbedingt durch Wohngebiete ausführen, das ist leicht zu vermeiden. Aber was ist, wenn dein Hund Angst vor Autos, anderen Hunden und fremden Menschen hat?

Nachdem dein Hund durch Vermeidung der vermeintlichen Gefahren erst einmal wieder Spaß an Spaziergängen gefunden hat, solltest du langsam mit dem Training mit den Stressfaktoren beginnen. Laufe erst einmal in weitem Abstand zu der „Gefahrenquelle“ vorbei und lobe deinen Hund, wenn er mitkommt. Im Laufe der Zeit kannst du dich immer weiter annähern und deinem Vierbeiner so signalisieren, dass ihm nichts passiert. Du bist dabei immer der Ruhepol und musst deinem vierbeinigen Begleiter Sicherheit vermitteln.

Auch hier komme ich noch einmal zu meinem alten Hund zurück, der nicht mehr raus wollte, weil er Angst hatte es nicht mehr bis nach Hause zurück zu schaffen. Mit ihm habe ich begonnen erst einmal nur auf unserem Hof zu laufen. Und selbst das war am Anfang sehr mühselig, weil er kaum einen Schritt vor die Tür machen wollte. So habe ich mit einem 5-Meter-Kreis angefangen. Zurück an der Haustür habe ich ausgiebig gelobt.

Im Laufe der Zeit konnte ich mich mit ihm Schritt für Schritt weiter von der Haustür entfernen. Er hat dann verstanden, dass ich ihn nicht überlasten werde. Bei dem ersten größeren Spaziergang haben wir immer wieder Pausen gemacht, damit er gar nicht erst das Gefühl hat, nicht mehr zu können. Denn das hätte ihn wieder in Panik versetzt.

Abwechslung schaffen

Wenn Langeweile die Ursache für das unmotivierte Verhalten deines Hundes ist, solltest du mehr Abwechslung in eure Spaziergänge einbauen. Vielleicht erkundet ihr neue Strecken, denn in neuer Umgebung gibt es viel zu entdecken. Schließlich will dein Vierbeiner dann anhand der Fährten genau analysieren, wer zuvor hier war. Und eine neue Route ist auch für dich interessanter.

Auch andere Beschäftigung während des Spazierengehens bietet sich an. Warum verfeinert ihr nicht den Gehorsam bei schwierigen Kommandos (natürlich mit viel Lob und Leckerlies, wenn es klappt)? Auch Spiele wie Apportieren oder Leckerlies suchen machen den meisten Hunden Spaß und sind eine willkommene Abwechslung beim Gassi gehen.

Wenn du die Möglichkeit hast, freut ihr beide euch bestimmt über ein bisschen Begleitung. Bestimmt gibt es andere Hundebesitzer in der Nähe, die ebenfalls an einem gemeinsamen Spaziergang interessiert sind. Dann können die Zweibeiner ins Gespräch kommen während die Vierbeiner gemeinsam die Umgebung erkunden und spielen können.

Sich an die Bedürfnisse des Hundes anpassen

Wenn dein Hund Schmerzen hat und krank ist, braucht er Schmerzmittel oder eine gezielte Schmerztherapie. Dann wird es deinem Hund besser gehen. Wenn du die Schmerzen nicht in den Griff bekommst, wird sich an dem vermeintlich bockigen Verhalten beim Spazierengehen nichts ändern.

Dein Hund will nicht Gassi gehen, weil er Probleme mit Kälte und/oder Nässe hat? Dann kannst du relativ trockene, pfützenlose Gassirouten auswählen und deinen Hund mit einem warmen Regenmantel ausstatten. So friert er nicht mehr und kann wieder Spaß draußen haben.

Hunden mit langem Fell, denen im Sommer zu warm wird, kannst du entgegenkommen, indem du die Spaziergänge auf die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegst. Auch Scheren des Fells kommt in Frage und verschafft deinem Hund Erleichterung. Schließlich gehst du bei 30 Grad im Schatten auch nicht in Winterkleidung aus dem Haus.

Angstzustände im Dunkel kannst du einfach verhindern, indem du tagsüber Gassi gehst. Dennoch solltest du in diesem Fall auch die Ursachen angehen. Beim Üben kannst du so vorgehen wie bei der Vermeidung von Stress.

Fazit: Hund will nicht Gassi gehen

Deinem Hund wieder Spaß am Gassi gehen zu vermitteln, kann auf unterschiedliche Art und Weise funktionieren. Was hilft und was nicht kommt vor allem darauf an, warum dein Hund nicht mehr raus gehen wollte. Wenn du die Ursache einmal gefunden hast, ist der weitere Weg oft logisch. Sei dabei immer geduldig und fair, denn egal woran es liegt: Dein Hund macht nichts nur um dich zu ärgern, sondern alles hat einen tieferliegenden Grund.

Wie immer gibt es Härtefälle, mit denen man selbst nicht fertig wird. Vor allem Hunde, die unter Angstzuständen und Panikattacken leiden, benötigen professionelle Hilfe. Schau doch einfach mal unter Online-hundetraining.de vorbei.

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